Tolerantia-Preis und MANEO-Award in Berlin vergeben

Am vergangenen Donnerstag, den 30. April 2009, war MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt-Projekt, Gastgeber der diesjährigen Verleihungsfeier des europäischen Tolerantia-Preises und des MANEO-Award.

Unter den 300 geladenen Gästen waren zahlreiche Repräsentanten aus Paris, Warschau und Madrid, die anlässlich der Preisvergabe eigens nach Berlin gereist waren, darunter Krzysztof Kliszczynski, Vorsitzender von Lambda-Warschau und Bart Palik von der KPH aus Polen, die zusätzlich von Adam Bodnar von der „Helsinki-Foundation for Human Rights“ begleitet wurden, sowie Jacques Lizé, Vorsitzender von SOS-Homophobie in Paris, und der Vorsitzender Miguel- Angel Fernandez von COGAM aus Madrid, der neben weiteren Mitarbeitern auch vom Maderider Stadtratsabgeordneten Pedro González Zerolo (PS) begleitet worden war. Mit großem Aufgebot war schließlich auch der Fußballverein Türkiyemspor Berlin e.V. vertreten, der mit Vorstandsmitgliedern, Cheftrainern und einem ganzen Fußballteam eingetroffen waren.

Neben zahlreichen Vertretern der Berliner Communities fehlte es auch nicht an politischer Aufmerksamkeit. Björn Böhning, Mitglied des SPD-Parteivorstandes, überbrachte Grüße des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, der leider nicht persönlich an den Feierlichkeiten teilnehmen konnte: „Ich grüße die internationalen Gäste, die zum MANEO Benefiz-Event nach Berlin gekommen sind, um hier mit dabei zu sein, wenn herausragendes Engagement gegen Homophobie und Hassgewalt heute Abend hier im Berghain mit dem MANEO-Award und dem Tolerantia- Preis ausgezeichnet wird.“

Ebenso gratulierte die Bundesvorsitzende der Bündnis-Grünen im Bundestag Claudia Roth den Preisträgern: „Aus der Ferne und dennoch von ganzem Herzen gratuliere ich den diesjährigen Preisträgern der MANEO-Awards und der Tolerantia-Preise. Sie alle engagieren sich in ihrem direkten Lebensumfeld – ob an ihrem Arbeitsplatz, im Fußballverein, in ihren Organisationen oder Parteien – gegen Homophobie und Gewalt, setzen Zeichen und handeln vorbildlich für uns alle.“ Unter den Gratulanten war auch SPD-Chef Franz Müntefering: „Die Freiheit und die unterschiedlichen Fähigkeiten eines Jeden bereichern unsere Gesellschaft. Deshalb braucht es im demokratischen Zusammenleben immer Toleranz und Respekt füreinander – ob in der Politik, der Familie oder im Sport, beim Fußball sowieso“, so Müntefering. „Um so wichtiger ist es, dass Menschen einander auf gleicher Augenhöhe begegnen.“ Müntefering gratulierte seinem Verein Türkiyemspor Berlin e.V. 1978 auf das Herzlichste zum MANEO-Award.


Ein weiterer Höhepunkt bildete anschließend die Vergabe der diesjährigen Tolerantia-Preise. Ausgezeichnet wurde unter anderem Professor Zbigniew Holda. Lambda-Warschau-Vorsitzender Krzysztof Kliszczynski würdigte noch einmal dessen herausragendes Engagement in Polen. Da Professor Holda aus gesundheitlichen Gründen nicht anreisen konnte, nahm den Preis seine Tochter Katarzyna Holda entgegen. „Es berührt mich sehr, dass ich den diesjährigen europäischen Tolerantia-Preis erhalte. Ich möchte mich auf diesem Wege für diese hohe Auszeichnung herzlich bedanken,“ hatte er durch seine schriftliche Danksagung wissen lassen. „Mein Vater nimmt diesen Preis nicht nur persönlich sondern auch im Namen aller Mitstreiter der Helsinki Stiftung für Menschenrechte entgegen, die dazu beigetragen haben, dass wir universelle Rechte, eben auch Menschenrechte für Schwule und Lesben in Polen verteidigt haben“.

Jacques Lize, Vorsitzender von SOS-Homophobie Frankreich, überreichte den Tolerantia-Preis an die Vorstandsmitglieder des Sportvereins „Paris Foot Gay“, Régis Dugué und Pascal Brethes. Er würdigte ihre bisherige Arbeit und die besondere Vorbildfunktion im französischen Sport. In diesem Sinne unterstrichen beide Vertreter des Sportvereins noch einmal, dass sich ihr Engagement nicht nur auf den Fußball beschränkt, sondern dass sie mit vielen weiteren Sportdisziplinen, die sie anbieten, die Einstellungen gegenüber Homosexuellen und Homosexualität im Breitensport grundsätzlich verändern wollen. Denn: Noch immer findet hier viel Ausgrenzung statt. Vorhandene Potentiale unter schwulen und lesbischen Sportlern würden nicht unterstützt. Der Preis an den ehemaligen französischen Nationalspieler Vikash Dhorasoo, der Schirmherr von Paris Foot Gay ist, wird zu einem späteren Zeitpunkt in Frankreich übergeben.


Der Tolerantia-Preis in Deutschland ging an den engagierten Bremer Lehrer und Demokratiepädagogen Hans-Wolfram Stein, der von drei Schülerinnen des Bremer Schulzentrums Walliser Straße nach Berlin begleitet worden war. MANEO-Projektleiter Bastian Finke betonte, dass er deshalb mit dem Preis geehrt wird, weil Hans-Wolfram Stein nicht nur mit Schülern diskutiert, sondern die gesamte Schulein einen Prozess hineingeführt hat, der letztendlich dazu beigetragen hat, dass sich Einstellungen gegenüber Homosexuellen und Homosexualität an seiner Schule geändert haben. Hans-Wolfram Stein bedankte sich für den europäischen Preis, den er nicht nur als Preis für sich, sondern als Preis für alle seine Schüler annehmen möchte, die sich gemeinsam mit ihm engagiert haben.


Miguel-Angel Fernandez von COGAM überreichte anschließend den Tolerantia-Preis an den spanischen Professor Juan Fernando López Aguilar, der aus terminlichen Gründen verhindert war. An seiner statt nahm den Preis Pedro González Zerolo, Madrider Stadtratsmitglied, entgegen. Gewürdigt wurde Professor Juan Fernando López Aguilar für ein Lebenswerk. „Mit Hilfe seines Einsatzes war es gelungen, das spanische Bürgerliche Gesetzbuch so zu ändern, dass nunmehr Ehen in Spanien nicht mehr zwischen Frau und Mann, sondern zwischen erwachsenen Menschen geschlossen werden, egal ob zwischen Frauen, Männern, Frau und Mann, Transsexuellen, Transgender“. Pedro González Zerolo betonte ins einer Dankesrede, dass diese Leistung vor dem Hintergrund einer sozialistischen Regierung erbracht wurde. Er sieht mit großer Freude, dass sich gerade auch unter der Führung eines sozialdemokratischen Bürgermeisters in Berlin in der letzten Zeit so viel auch für Lesben und Schwule in dieser Stadt getan habe. Es sei für ihn
eine große Ehre, den Tolerantia-Preis für seinen Freund Professor Juan Fernando López Aguilar entgegenzunehmen und ihn nach Madrid zu bringen.

Die Preisverleihungsfeier wurde von einem exklusiven musikalischen Rahmen-programm begleitet, von dem alle Gäste begeistert waren. Teenager im Alter zwischen 10 und 14 Jahren vom Mossestift präsentierten einen selbstverfassten Song mit dem Titel „Homo oder Hetero – ist das denn wichtig“; der 17-jährige Flo, der kürzlich vom Wettbewerb „Rap’n Respect“ von „Schule ohne Rassismus“
ausgezeichnet worden war, rappte gegen Ausgrenzung und Gewalt; das „Staatsministerium für Tuntensicherheit in ganz Europa UND in Ostdeutschland“ sang den „Tuntenrapp“ und wartete mit einem gänzlich neuen Stil – dem Transistor-Rapp – auf, und Nico Hartung hatte mit seinem Song „Kiss Kiss Berlin“ das Motto der Benefiz-Reihe von MANEO aufgegriffen und daraus ein eigenen Song verfasst.

MANEO-Projektleiter Bastian Finke, der durch den Abend führte, bedankte sich für die großartige Unterstützung, die MANEO in diesem Jahr von vielen Party-Veranstaltern in Berlin für seine Benefizreihe erhalten hatte. Mit zahlreichen Veranstaltungen, die alle unter dem Motto „Kiss Kiss Berlin– Powered by People for Tolerance“ gestanden hatten, waren insgesamt rund € 1.500,- für die Anti-Gewalt-Arbeit von MANEO gesammelt worden.
Darüber hinaus haben viele Unterstützer und Partner dazu beigetragen, dass die Preisveranstaltung kurzfristig ins Berghain verlegt und hier stattfinden konnte. Finke:„Vier Wochen nach dem offiziellen Ende der MANEO-Toleranzkampagne war dies noch mal ein großartiger Schlussakkord, der gezeigt hat: MANEO macht mobil, und das nachhaltig! Die breite Resonanz allein in den ersten Monaten dieses noch recht jungen Jahres lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken. Schon jetzt
werden wir gefragt: Tolle Sache, kann ich 2010 mitmachen? Ich sage nur: Aber sicher, auch nächstes Jahr wird es wieder heißen: Kiss Kiss Berlin!“

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Mit dem Tolerantia-Preis ehrt die „Berlin Alliance Against Homophobia“, eine deutschfranzösisch-polnisch-spanischen Initiativgruppe, herausragendes Engagement im Kampf gegen Homophobie und Hassgewalt in Europa. Die jährliche Preisverleihung findet abwechselnd in einer der vier Hauptstädte statt; nach Warschau im Vorjahr nun wieder in Berlin.

Dem Bündnis schwuler und schwullesbischer Anti-Gewalt-Projekte in Europa, die miteinander kooperieren und sich gegenseitig unterstützen, gehören neben
MANEO (Deutschland),
SOS-Homophobie (Frankreich),
Lambda-Warschau und KPH (Polen)
seit 2008 auch COGAM (Spanien) an.

Grundlage ist die gemeinsam unterzeichnete „Toleranjca-Erklärung“. Als Ausdruck dieses Bündnisses und in Anerkennung von beispielhaften Leistungen wird der Gemeinschaftspreis, eine Skulptur mit vier Segeln, seit 2006 an herausragende Persönlichkeiten und Projekte aus den Mitgliedsländern vergeben.


größere Bilder in der Galerie


Tolerantia-Preisträger 2009

• Hans-Wolfram Stein (DE),

• Paris Foot Gay (FR)

• Vikash Dhorasoo (FR)

• Prof. Zbigniew Holda (PL)

• Juan Fernando López Aguilar (ES)


Preisträger MANEO-Award 2009 mehr
• Türkiyemspor Berlin e.V. 1978

• Dieter Glietsch, Polizeipräsident von Berlin

Die Preisträger der Tolerantia-Preise und MANEO-Awards 2009 gemeinsam mit Künstlern und Mitarbeitern, im Berliner „Berghain“ am 30.04.2009. Foto © B. Mannhöfer.…

Die Preisträger der Tolerantia-Preise und MANEO-Awards 2009 gemeinsam mit Künstlern und Mitarbeitern, im Berliner „Berghain“ am 30.04.2009. Foto © B. Mannhöfer.

Tolerantia-Preise 2009: Aus Warschau Katarzyna Holda, Tochter
von Professor Holder, und Adam Bodnar, Helsinki Stiftung
für Menschenrechte in Polen, im Bild gemeinsam mit Vertretern
von Lambda-Warschau und KPH in Polen. Foto © B.Mannhöfer.…

Tolerantia-Preise 2009: Aus Warschau Katarzyna Holda, Tochter von Professor Holder, und Adam Bodnar, Helsinki Stiftung für Menschenrechte in Polen, im Bild gemeinsam mit Vertretern von Lambda-Warschau und KPH in Polen. Foto © B.Mannhöfer.

Tolerantia-Preis 2009. Aus Paris angereist: Jacques Lizé, Vorsitzender von
SOS-Homophobie Frankreich (Mitte), mit Régis Dugué und Pascal Brethes
von „Paris Foot Gay“ (r.) und MANEO-Projektleiter Bastian Finke (r.). Foto: ©
B. Mannhöfer.…

Tolerantia-Preis 2009. Aus Paris angereist: Jacques Lizé, Vorsitzender von SOS-Homophobie Frankreich (Mitte), mit Régis Dugué und Pascal Brethes von „Paris Foot Gay“ (r.) und MANEO-Projektleiter Bastian Finke (r.). Foto: © B. Mannhöfer.

MANEO-Awards 2009. Hans-Wolfram Stein (2.v.l.) mit Ehefrau (2.v.r.), begleitet von zwei
Schülerinnen des Bremer Schulzentrums Walliser Straße. Foto © B. Mannhöfer.…

MANEO-Awards 2009. Hans-Wolfram Stein (2.v.l.) mit Ehefrau (2.v.r.), begleitet von zwei Schülerinnen des Bremer Schulzentrums Walliser Straße. Foto © B. Mannhöfer.

Tolerantia-Preise 2009. Aus Madrid angereist: Madrids Stadtratsabgeordneter Pedro
González Zerolo (2.v.l.) und COGAM-Vorstandsmitglieder Juan Fernando López
Aguilar (r.) und Raúl García, (l.), im Bild gemeinsam mit Klaus Böhning, Mitglied des
SPD-Parteivorstandes (2.v.r.), der Grüße von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit
überbrachte. Foto © B. Mannhöfer.…

Tolerantia-Preise 2009. Aus Madrid angereist: Madrids Stadtratsabgeordneter Pedro González Zerolo (2.v.l.) und COGAM-Vorstandsmitglieder Juan Fernando López Aguilar (r.) und Raúl García, (l.), im Bild gemeinsam mit Klaus Böhning, Mitglied des SPD-Parteivorstandes (2.v.r.), der Grüße von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit überbrachte. Foto © B. Mannhöfer.

MANEO-Awards 2009: Viel Beifall für die Kinder des Mossestifts, die ihren selbstgeschriebenen Song präsentierten: „Homo oder Hetero – das ist doch nicht wichtig“. Foto © B. Mannhöfer.…

MANEO-Awards 2009: Viel Beifall für die Kinder des Mossestifts, die ihren selbstgeschriebenen Song präsentierten: „Homo oder Hetero – das ist doch nicht wichtig“. Foto © B. Mannhöfer.

Die Preisverleihungsveranstaltung wurde observiert und musikalisch begleitet
von der TunSi, dem „Staatsministerium für Tuntensicherheit in ganz Europa
UND in Ostdeutschland“. Foto © B. Mannhöfer.…

Die Preisverleihungsveranstaltung wurde observiert und musikalisch begleitet von der TunSi, dem „Staatsministerium für Tuntensicherheit in ganz Europa UND in Ostdeutschland“. Foto © B. Mannhöfer.

Tolerantia-Preis 2009 – Stellungnahmen der Preisträger

Professor Zbigniew Holda (Polen)

Es berührt mich sehr, dass ich den diesjährigen europäischen Tolerantia-Preis bekomme. Ich möchte mich auf diesem Wege für diese hohe Auszeichnung herzlich bedanken. Leider kann ich diesen Preis aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich entgegen nehmen. Meine Tochter, Katarzyna Holda, ist jedoch zu Ihnen gereist und wird diese Aufgabe für mich übernehmen. Ich übermittel Ihnen auf jeden Fall meine herzlichsten Grüße aus Warschau.

Ich nehme diesen Preis nicht nur persönlich sondern auch als Vertreter für alle meine Mitstreiter der Helsinki Stiftung für Menschenrechte entgegen, die dazu beigetragen haben, dass wir die Menschenrechte für Schwule und Lesben in Polen verteidigen konnten. Die Aufhebung des Demonstrationsverbots für Warschauer CSD, die wir zusammen durchgesetzt haben, ist nicht nur ein Erfolg der Zivilgesellschaft sonder auch ein Zeichen, dass die menschenrechtliche Dimension der Rechte von Lesben und Schwulen auch bei den Gerich-ten und Behörden angekommen ist, Rechte, die universell sind, eben Menschenrechte.

Ich danke Ihnen noch mal für die Auszeichnung mit dem europäischen Tolerantia-Preis, der für mich und für uns alle eine große Bedeutung besitzt.

Warschau, den 30.04.2009


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Hans-Wolfram Stein, Lehrer und Demokratiepädagoge (Deutschland)

„Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht, das vielen Menschen verwehrt wird. Als Politiklehrer und Demokratiepädagoge erlebe ich an Schulen häufig, wie Mädchen und junge Frauen als „Schlampen“ bezeichnet werden, wenn sie dieses Recht für sich in Anspruch nehmen. Die Verweigerung dieses Rechts ist noch viel heftiger gegenüber Schwulen und Lesben. Die wenigsten von ihnen, Schüler/innen wie Lehrer/innen, wagen es, sich an deutschen Schulen zu outen. Der Grund: Hier kann die Homophobie meist unwidersprochen ausgelebt werden. „Schwul“ ist nach meiner Einschätzung das häufigste Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen. „Schwul“ ist alles Mögliche, was als negativ erfahren wird - bis hin zu „schwulen“ Hausaufgaben. „Schwul“ können selbst Kekse sein, wenn sie nicht schmecken. Äußerst selten wird dem widersprochen.

Gemeinsam mit meiner Klasse, 17-19 jährigen Schülern der Höheren Handelsschule am SZ Walliser Straße, wollten wir herausbekommen, wie verbreitet Homophobie unter Schüler/innen und Leh-rer/innen ist. An 1000 Schüler/innen und Lehrer/innen unserer Schule haben wir einen Fragebogen verteilt und wissenschaftlich ausgewertet; neben einer Untersuchung der Uni Kiel die größte Studie in Deutschland.

Die Ergebnisse:
Dass „Homosexualität unmoralisch ist“ meinen im Durchschnitt der Bevölkerung 17,3% aber doppelt so viele Schüler/innen (35,8%). Homophoben Items wird in allen Teilen der Gesellschaft zugestimmt, auch bei Schülern ohne Migrationshintergrund (hier 16,3%), Schülerinnen ( 22,8%) und Schülern, die sich als „nicht gläubig“ bezeichnen (18%). Besonders häufig wird solchen Items aber von jungen Männern (50%), Einwandererkindern (49,7%) und Muslimen (61,8%) zugestimmt. Dieses Muster findet sich bei allen Items wieder, am heftigsten bei dem Item: „Küssen von Homosexuellen in der Öffentlichkeit ist ekelhaft“: 73% der männlichen Schüler, 70% der Einwandererkinder und 85% der muslimischen Schüler stimmen dem zu. Das ist die eine Seite. Die andere Seite stimmt mich positiv; wenn es um das gleiche Recht aller Menschen geht: 73,3% aller Schüler/innen unterstützt die Aussage „Das Recht, anders zu sein, gilt auch für Homosexuelle“, 70% unterstützen die aktive Festlegung „Die Diskriminierung von homosexuellen Menschen sollte von allen bekämpft werden“ und 82% unterstützen das Item „Homosexualität ist Privatsache“, ist also kein Feld für staatliche Unterdrückung. Dem stimmen auch knapp 80% der Einwandererkinder, der männlichen und auch der muslimischen Schüler zu.

Neben dieser Studie hat das Projekt zum Thema Menschenrechte, Verfolgung durch das NS-Regime, Homosexualität „widernatürlich“ oder Teil der Tierwelt, Homosexualität und Krankheit und Homosexualität und Religion gearbeitet. Die Ergebnisse des Schulprojekts sind als Unterrichtsmaterial geeignet und mit Unterstützung der Senatorin für Bildung in Bremen als Broschüre („Das Recht anders zu sein“) erschienen. Sie kann beim Bremer Rat & Tat – Zentrum bestellt werden.

Wir sind stolz auf diese europäische Auszeichnung. Verdient haben sie vor allem meine Schüler/innen, die den Fragebogen nach dem Projekt erneut ausfüllten und alle das Item ankreuzten: „Die Diskriminierung von homosexuellen Menschen sollte von allen bekämpft werden“.

Sie haben aber noch mehr gelernt. In ihrer Reflexion zum Projekt schreibt Elena: „Ich hätte nie gedacht, wie viel Einfluss ein Lehrer und ein paar Schüler haben können. Ich hätte gedacht, dass ganz normale, ´unwichtige´ Menschen, wie wir es sind, nichts erreichen können. Doch jetzt weiß ich, dass es sich immer lohnt, den Mund aufzumachen und sich für Sachen einzusetzen.“ In einem irrt Elena; sie spürt es selbst und drückt das durch ihre Anführungsstriche aus: Solche junge Menschen sind wichtig! Unsere Demokratie braucht mehr von ihnen!






Tolerantia-Preis 2009

• Hans-Wolfram Stein (DE),
• Paris Foot Gay (FR)
• Vikash Dhorasoo (FR)
• Prof. Zbigniew Holda (PL)
• Juan Fernando López Aguilar (ES)

…

Tolerantia-Preis 2009 – der Europapreis

Berlin, den 08.04.2009

Ausgezeichnet: Die Preisträger 2009

MANEO, Berlins schwules Anti-Gewalt Projekt, sowie die „Berlin Alliance Against Homophobia“, der MANEO als Gründungsmitglied angehört, zeichnen regelmäßig herausragendes Engagement gegen Homophobie und Hassgewalt aus. Die diesjährige Preisverleihung findet am 30.04. im Rahmen des MANEO Benefiz-Events im DICE-Club, Berlin-Mitte, statt. Gegen 23 Uhr werden die Preisträger auf der öffentlichen Party geehrt.

Tolerantia-Preis – der Europapreis
Mit dem Tolerantia-Preis ehrt die „Berlin Alliance Against Homophobia“, eine deutsch-französisch-polnisch-spanischen Initiativgruppe, herausragendes Engagement im Kampf gegen Homophobie und Hassgewalt in Europa. Die jährliche Preisverleihung findet abwechselnd in einer der vier Hauptstädte statt, 2009 in Berlin.

Dem Bündnis schwuler und schwullesbischer Anti-Gewalt-Projekte in Europa, die miteinander kooperieren und sich gegenseitig unterstützen, gehören neben MANEO (Deutschland), SOS-Homophobie (Frankreich), Lambda-Warschau und KPH (Polen) seit 2008 auch COGAM und TRIANGULO (Spanien) an; Grundlage ist die gemeinsam
unterzeichnete „Toleranjca-Erklärung“.

Als Ausdruck dieses Bündnisses und in Anerkennung von beispielhaften Leistungen wird der Gemeinschaftspreis, eine Skulptur mit vier Segeln, seit 2006 an herausragende Persönlichkeiten und Projekte aus den Mitgliedsländern vergeben.

Die diesjährigen Preisträger sind Hans-Wolfram Stein (Deutschland), Paris Foot Gay und Vikash Dhorasoo (Frankreich), Prof. Zbigniew Holda (Polen), Juan Fernando López Aguilar (Spanien).


Tolerantia-Preis – die Preisträger 2009

Deutschland
:
Hans-Wolfram Stein, Lehrer für Wirtschaft und Politik am Schulzentrum Walliser Straße in Bremen, hat mit großem Engagement Homophobie und Hassgewalt an seiner Schule problematisiert. Sein beispielhafter Einsatz hat dazu beigetragen, die Haltung und Einstellung gegenüber Homosexuellen sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrern positiv zu verändern. Das gemeinsam mit den Schülern der Klasse 2HH 07/5 initiierte Forschungsprojekt, das Hans-Wolfram Stein an seiner Schule über den Zeitraum von fast einem Jahr durchführte, ist ein herausragender Meilenstein in der schulischen Aufklärungs- und Präventionsarbeit in Deutschland.

Ergebnis seiner vorbildlichen Projektarbeit ist: „In vielen, wenn nicht in allen Bereichen konnten homophobe Einstellungen abgebaut werden. Im Bereich der demokratischen Rechte stieg der Anteil, der für Gleichberechtigung eintritt, stark an. Vor allem aber tritt jetzt jeder Schüler und jede Schülerin in der Klasse für folgende Aussage ein: ‚Diskriminierung von Homosexuellen sollte von allen bekämpft werden.’“ Die Arbeitsergebnisse dienen jetzt als Vorlage auch für andere Schulen,
die sich mit dem Thema Homophobie auseinandersetzen wollen.

Es ist vor allem dem Engagement und der Beharrlichkeit von Hans-Wolfram Stein zu verdanken, dass dieses Projekt realisiert werden konnte. Mit diesem Preis soll auch das Engagement der Schülerinnen und Schüler gewürdigt werden, die das Projekt gemeinsam mit Hans-Wolfram Stein realisiert haben.


Frankreich:
Paris Foot Gay wurde 2003 als erster französischer Fußballclub gegründet, der ausdrücklich für heterosexuelle und schwule Fußballspieler gleichermaßen offen ist und sich selbstbewusst gegen Diskriminierung und Homophobie stellt. Der Verein will diskriminierende Einstellungen ändern und deutlich machen, dass eben auch ein schwuler Mann das Recht hat, Fußball zu spielen ohne sich verstecken zu müssen. Damit soll das Recht zum Anderssein unterstrichen und Vorurteile bekämpft werden.

Paris Foot Gay will die Emanzipation von Schwulen stärken und damit das Coming-out von schwulen Sportlern befördern, sodass diese Gruppe in der Sportwelt ihren gleichberechtigten Platz findet – ein rundherum unterstützenswertes Ziel, ist doch Homophobie im Sport noch immer stark verbreitet. Mit der Bekämpfung von Homophobie im Fußball sendet Paris Foot Gay außerdem ein starkes Signal an die gesamte Gesellschaft, hat doch Sport insgesamt eine breite Öffentlichkeit. Vor allem
Jugendliche, die für Vorurteile besonders empfänglich sind, können so erreicht werden.

Mit dem Tolerantia-Preis möchten wir dieser Nicht-Regierungs-organisation für ihren Mut danken, sich diesem so wichtigen Thema zu widmen.


Vikash Dhorasoo, am 10. Oktober 1973 in Harfleur (Seine-Maritime) geboren, ist ein französischer Fußballspieler, der eine internationale Karriere zurückgelegt hat. In den Spielsaisons 1997 bis 1998 und 2003 bis 2004 war er der beste Spieler der französischen Nationalliga. Von 2002 bis 2003 spielte Dhorasoo in Lyon und sein Team führte in diesen zwei Saisons die französische Nationalliga an.

2006 gehörte er der französischen Nationalmannschaft an, die an der Fußball-WM in Deutschland teilnahm. Im letzten Jahr hat er seine Karriere beendet. Dhorasoo, verheiratet und Vater zweier Töchter, ist Schirmherr des Paris Foot Gay, einem Fußballclub, der gegründet wurde, um Homophobie in den Stadien zu bekämpfen. Er ist der einzige französische Nationalspieler, der sich zu diesem Thema bisher öffentlich geäußert hat. Die Tatsache, dass ein farbiger hetero-sexueller Mann Paris Foot Gay unterstützt, zeugt von einem großen Respekt für die Menschenrechte und insbesondere für die Gleichberechtigung der LGBT-Gemeinden.


Polen:
Prof. Zbigniew Holda ist Jurist, Strafrechtler, Experte für Menschenrechte, Professor an der Jagiellonen-Universität in Krakau und Vorstandsmitglied der Helsinki-Stiftung für Menschenrechte.
Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg repräsentierte er die Stiftung für Gleichberechtigung („Fundacja Rowności”) sowie die Mitglieder der polnischen LGTB-Organisationen, die gegen das Verbot der Gleichberechtigungs-parade („Parada Rowności”) in Warschau 2005 klagten. Der Rechtsstreit endete mit einem Präzedenzurteil, welches Gesetze, mit denen friedliche Demonstrationen unmöglich gemacht werden sollten, für illegal erklärte.

2006 vertrat er vor dem Amtsgericht in Posen vier lesbische Frauen , die sich entschlossen hatten, gegen Stadtratsmitglieder der polnischer Rechtspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) vor Gericht zu gehen. 2005 hatten die PiS-Mitglieder Homosexualität mit Zoophilie, Nekrophilie und Pädophilie verglichen. Die Präzedenzsache endete mit einem Vergleich. Die Funktionäre der PiS-Partei mussten sich bei den Betroffenen entschuldigen und offiziell erklären, dass sie keine Absicht hatten, irgendjemanden zu beleidigen.

Professor Zbigniew Holda setzte sich kontinuierlich für Menschenrechte – auch für sexuelle Minderheiten– ein. Der Tolerantia-Preis ist Ausdruck der Anerkennung für sein gesamtes Wirkens und seines Lebenswerkes.


Spanien:
Juan Fernando López Aguilar, am 10. Juni 1961 in Las Palmas (Gran Canaria) geboren, studierte Jura an der Universität Granada sowie Politische Wissenschaft und Soziologie an der Universität Complutense von Madrid. 1988 erwarb er den Master of Arts in Law & Diplomacy an der Fletcher School of Law & Diplomacy in Massachussetts. Der Professor für Verfassungsrecht an der Universität von Las Palmas de Gran Canaria wurde bereits mit dem Jean Monnet Preis über Recht und Europäische Integration ausgezeichnet.

1983 trat López Aguilar der sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens, PSOE, bei. Zwischen 1990 und 1993 war er parlamentarischer Berater der Justizminister. Von 1993 bis 1996 war Aguilar Leiter des Ministerbüros bei Minister Jerónimo Saavedra in den Ministerien für Öffentliche Verwaltung und Bildung. Seit 1996 ist López Aguilar Abgeordneter im spanischen Parlament. Schon
1999 war er Spitzenkandidat der PSOE zur Präsidentschaft der Regierung der Kanarischen Inseln. Seit Juli 2000 war er Sekretär für Öffentliche Freiheiten und die Entwicklung der Autonomen Regionen im Vorstand der PSOE.

Während dieser Zeit und dank seiner aktiven Federführung legte die Spanische Regierung dem Parlament einen Gesetzesvorschlag zur Regelung der standesamtlichen Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren vor, welches am 28. Juli 2005 verabschiedet wurde. Seinen aktiven Einsatz für die Gleichberechtigung würdigt die spanische LGBT-Bewegung mit großer Anerkennung.







Tolerantia-Preis 2009 - Preisverleihung in Berlin

• Hans-Wolfram Stein (DE),
• Paris Foot Gay (FR)
• Vikash Dhorasoo (FR)
• Prof. Zbigniew Holda (PL)
• Juan Fernando López Aguilar (ES)

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Tolerantia-Preis 2008 - Preisübergabe in Düsseldorfer LTU-Arena vor 20.000 Zuschauern

Berlin, den 08.10.2008

Die Übergabe des diesjährigen Tolerantia- Preises an DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, DFB-Nationalspieler Philipp Lahm und EGLSF-Repräsentantin Tanja Walter fand gestern zu Beginn des öffentlichen Trainings der Nationalmannschaft in der Düsseldorfer LTU-Arena statt.

Über 20.000 Zuschauer im Stadion wohnten der vom DFB kurzfristig ermöglichten Zeremonie bei, in der MANEO-Projektleiter Bastian Finke die drei Preisträger für ihr beispielhaftes Engagement gegen Homophobie im Fußballsport ehrte.

Der deutsch-französisch-polnische Preis wird seit 2006 jährlich von der Initiativgruppe Schwules Weimarer Dreieck an herausragende Persönlichkeiten aus Deutschland, Frankreich und Polen vergeben, die sich gegen Homophobie und für Toleranz eingesetzt haben.

MANEO-Projektleiter Bastian Finke freute sich, dass den zur offiziellen Preisgala in Warschau am 20. September aus terminlichen Gründen verhinderten Preisträgern nun der Preis persönlich und in einem angemessenen Rahmen nachträglich übergeben werden konnte: „Wir brauchen Menschen, die mutig Wege bereiten und damit zu Vorbildern werden. Sie alle hier leisten Großartiges. Dafür möchte ich Ihnen im Namen aller unserer Partnerorganisationen, insbesondere auch meiner Organisation MANEO, danken. Ich freue mich, dass ich hierzu auch die herzlichsten Grüße unseres Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, überbringen kann.“

Homophobie und Intoleranz fänden sich in allen Bereichen der Gesellschaft, so auch im Sport. Das Engagement der Preisträger für Toleranz und Akzeptanz im Fußball sei daher ein wichtiges Signal – in den Sport, aber auch in die gesamte Gesellschaft hinein.

Preisträger Philipp Lahm erklärte in seinem Grußwort für die Warschauer Gala: „In der Begründung für den Preis heißt es: Ich wurde ausgezeichnet ‚aufgrund des besonderen und herausragenden Einsatzes gegen Intoleranz und Homophobie im Breitensport und insbesondere im Fußball.’ Eigentlich habe ich nur das gemacht, was ich sonst auch versuche zu tun. Ich habe in Interviews meinen Standpunkt vertreten und als ich zum Thema Homophobie im Fußball befragt wurde, habe ich auch hier meine Meinung geäußert. Für mich geht es in erste Linie um den Menschen und seine Rechte. Schon in unserem Grundgesetz stehen die Rechte des Menschen und seine Würde an erster Stelle. Dies ist für mich eine Selbstverständlichkeit, denn Würde ist unabhängig von Rasse, Religion, Geschlecht oder auch sexueller Orientierung. Ich lebe gerne in einer liberalen offenen Gesellschaft, in der ein tolerantes Miteinander ohne diskriminierende Vorurteile möglich ist. Denn mein Verständnis vom Zusammenleben ist, dass wir so mit anderen umgehen, wie man möchte, dass mit einem Selbst umgegangen wird.“

Bereits im Vorfeld der Fußball-WM 2006 hatte MANEO mit einer viel beachteten Plakataktion für mehr Toleranz im Fußballsport geworben; auch die aktuelle Ausgabe der MANEO-Fachzeitschrift impuls widmet dem Thema einen Schwerpunkt. Die „Aktionsabende gegen Homophobie im Fußballsport“, u.a. initiiert von EGLSF-Repräsentantin Tanja Walther und unterstützt von Dr. Theo Zwanziger, begrüßte MANEO ebenfalls ausdrücklich als „richtiges und wichtiges Signal“.

Vor diesem Hintergrund zeigte sich Finke erfreut, dass die kurzfristig anberaumte Tolerantia-Preisübergabe auch von Vertretern schwullesbischer Fußballfanclubs aus Stuttgart, Köln und Berlin begleitet wurde, u.a. von Andreas Stiene von „Andersrum Rut-Wiess“, den Berliner Hertha-Junxx, sowie Christian Deker, Vorstandsmitglied der Stuttgart-Junxx, die
eigens zur Preisvergabe angereist waren. „An dem ins Rollen gebrachten Ball bleiben wir dran“, so Finke.


Newsmeldung zum Interview von Philipp Lahm FRONT-Interview
FRONT-Interview

Siehe auch die offizielle Seite des DFB: www.dfb.de

European Gay & Lesbian Sport Federation (EGLSF)- Homepage: www.eglsf.info

Zur MANEO Fussball Plakat-Aktion

Übergabe des Tolerantia-Preises 2008 am 7. September in der Düsseldorfer LTU-Arena; (v.l.n.r.) Dr. Theo Zwanziger, Tanja Walther, Philipp Lahm, MANEO-Projektleiter Bastian Finke.…

Übergabe des Tolerantia-Preises 2008 am 7. September in der Düsseldorfer LTU-Arena; (v.l.n.r.) Dr. Theo Zwanziger, Tanja Walther, Philipp Lahm, MANEO-Projektleiter Bastian Finke.

Tolerantia-Preis 2008 - Nachträgliche Preisübergabe an Dr. Theo Zwanziger und Philipp Lahm

Berlin, den 07.10.2008

Am heutigen Dienstag, den 7. Oktober 2008, übergibt das schwule Anti-Gewalt-Projekt MANEO in der Düsseldorfer LTU-Arena nachträglich den diesjährigen Tolerantia-Preis an DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und DFB-Nationalspieler Philipp Lahm.

Die Auszeichnung teilen sie sich mit Tanja Walther, Sportwissenschaftlerin und Organisatorin der „Aktionsabende gegen Homophobie im Fußball“, die ihren Preis bereits im Rahmen der Preisgala am 20. September in Warschau entgegengenommen hatte. Der Preis wird seit 2006 von der Initiativgruppe Schwules Weimarer Dreieck an herausragende Persönlichkeiten und Projekte aus Deutschland, Frankreich und Polen vergeben, die sich um Toleranz verdient gemacht haben. Neben MANEO (Deutschland) zeichnen die Anti-Gewalt-Projekte SOS-Homophobie (Frankreich) sowie Lambda und KPH (Polen) verantwortlich. Die jährliche Preisverleihung findet abwechselnd in einer der drei Hauptstädte statt.

In der Begründung der Jury zu den Preisträgern Dr. Theo Zwanziger und Philipp Lahm hieß es: „Philipp Lahm ist der erste Nationalspieler, der sich öffentlich und unmissverständlich für Toleranz gegenüber homosexuellen Fußballspielern äußerte. Er zeigte sich angesichts homophober Strukturen im Fußball standhaft und zeigte Solidarität mit homosexuellen Fußballern. Er übernimmt damit eine Vorbildfunktion im Fußball.

Dr. Theo Zwanziger erklärte öffentlich, dass der DFB alle Spielerinnen und Spieler bei einem Outing unterstützen würde. Er bezeichnete es als Aufgabe des DFB, ‚auf breiter Basis Rahmenbedingungen zu schaffen, damit homosexuellen Menschen der Zugang zum und die Bewegung im Sport ohne das Gefühl der Diskriminierung möglich ist’. Er setzt sich dafür ein, die Aufklärung über Lesben und Schwule bei Trainern, Schiedsrichtern und in den Vereinen tatkräftig zu unterstützen. Er sprach sich wiederholt und deutlich gegen Diskriminierung von Homosexuellen im Sport und Fußball aus und dass ein solches Verhalten geahndet werden sollte, auch beim Fußball mit Punktabzug.“

Neben den deutschen Preisträgern wurden mit dem Tolerantia-Preis 2008 ausgezeichnet: Bruno Solo, Journalist und Moderator (Frankreich) und Marzanna Pogorzelska, Lehrerin (Polen).



Tanja Walther:„Ich fühle mich geehrt und freue mich sehr über den Tolerantia-Preis 2008. Es ist schön, dass meine Arbeit für weniger Diskriminierung von Lesben und Schwulen im Sport, vor allem im Fußball, mit diesem Preis eine Würdigung erfährt. Wie so oft, steht dieser Preis jedoch nicht nur mir zu, da ich alleine diese Arbeit nicht hätte leisten können. Ohne die Hilfe von z.B. den Frauen bei Seitenwechsel, den Queer Fußball Fanclubs und vielen Einzelnen wäre es nicht möglich, immer wieder darauf hinzuweisen, wie viel mehr Farbe und Vielfalt Lesben und Schwule in den Fußball bringen.“

Bekanntgabe der TOLERANTIA-Preisträger 2008

Berlin, 19.06.2008

Der Preis wird seit 2006 von der Initiativgruppe Schwules Weimarer Dreieck an herausragende Persönlichkeiten aus Deutschland, Frankreich und Polen verliehen, die sich um Toleranz verdient gemacht haben. Neben MANEO (Deutschland) zeichnen die Anti-Gewalt-Projekte „SOS-Homophobie“ (Frankreich), „Lambda“ und „KPH“ (Polen) verantwortlich.

Die Preisverleihung findet jährlich und abwechselnd in einer der drei Hauptstädte statt. Nach Berlin 2006 und Paris 2007, wird nun Warschau seine Türen für die Gala am 20.09.2008 öffnen.

TOLERANTIA 2008 – die Preisträger:

Deutschland:
Gemeinsam ausgezeichnet werden Tanja Walther, Philipp Lahm und Dr. Theo Zwanziger aufgrund ihres besonderen und herausragenden Einsatzes gegen Intoleranz und Homophobie im Breitensport, hier insbesondere im Fußball.

Tanja Walther, 38 Jahre alt, Lehrerin und Sportwissenschaftlerin.
Sie war aktive Fußballerin bei Tennis Borussia Berlin (1992-1994) und im Bundesligaverein Turbine Potsdam (1995-1999). Sie ist heute noch immer eine leidenschaftliche Fußballerin in der Berliner Landesliga. Gewürdigt wird ihr langjähriges, vorbildliches Engagement gegen Homophobie im Sport und im Fußball. Sie ist Initiatorin der Aktionsabende gegen Homophobie im Fußball.
Seit fast 10 Jahren ist sie Beiratsmitglied im Berliner Sportverein „Seitenwechsel“, seit 2006 ist sie Delegierte im European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF) beim europäischen Netzwerk „Football Against Racism in Europe (FARE)“, die europaweit durchgeführt werden.

Philipp Lahm, 24 Jahre alt, Fußballspieler bei Bayern München und im Deutschen Nationalteam.
Im Dezember 2007 äußerte sich Philipp Lahm öffentlich zum Thema Homosexualität und Fußball. Er erklärte: „Ich lebe gerne in einer liberalen, offenen Gesellschaft“ und "wenn ein Spieler schwul ist, ist er trotzdem mein Mannschaftskollege, und für mich würde sich im Umgang mit ihm nichts ändern". Philipp Lahm ist der erste Nationalspieler, der sich öffentlich und unmissverständlich für Toleranz gegenüber homosexuellen Fußballspielern äußert. Er zeigt sich angesichts homophober Strukturen im Fußball standhaft und zeigt Solidarität mit homosexuellen Fußballern. Er übernimmt damit eine Vorbildfunktion im Fußball.

Dr. Theo Zwanziger, 63 Jahre alt, deutscher Sportfunktionär, Jurist und Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB).
Er erklärte öffentlich, dass der DFB alle Spielerinnen und Spieler bei einem Outing unterstützen würde. Er bezeichnete es als Aufgabe des DFB, "auf breiter Basis Rahmenbedingungen zu schaffen, damit homosexuellen Menschen der Zugang zum und die Bewegung im Sport ohne das Gefühl der Diskriminierung möglich ist". Theo Zwanziger setzt sich dafür ein, die Aufklärung über Lesben und Schwule bei Trainern, Schiedsrichtern und in den Vereinen tatkräftig zu unterstützen. Er sprach sich wiederholt und deutlich gegen Diskriminierung von Homosexuellen im Sport und Fußball aus und dass ein solches Verhalten geahndet werden sollte, auch beim Fußball mit Punktabzug.

Frankreich:

Bruno Solo, 44 Jahre alt, hat seine Karriere als Journalist und Moderator beim Fernsehprogramm Canal+ in Frankreich gestartet. Später arbeitete er beim Sender TF1 bevor er anfing, ab 1993 als Schauspieler zu arbeiten. Er produziert mittlerweile erfolgreiche Fernsehserien wie „Caméra café“ und „Kaamelott“. Ohne selbst betroffen gewesen bzw. angesprochen worden zu sein hat er mehrmals Partei für die Verteidigung der Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender ergriffen und sich regelmäßig gegen Homophobie ausgesprochen.

Polen:
Marzanna Pogorzelska, 44 Jahre alt, ist seit 15 Jahren Englisch-Lehrerin sowie Betreuerin einer Amnesty International Gruppe am Gymnasium 1 in Kedzierzyn-Kozle (Opel-Region). Im Mai 2007 richtete sie einen offenen Brief an Roman Giertych – dem Bildungsminister der damaligen polnischen Rechtsaußenregierung – in dem sie öffentlich die intolerante Politik der Regierung gegenüber Homosexuellen kritisierte. Sie erklärte öffentlich, dass sie ihre Schüler weiterhin über die Existenz von sexuellen Minderheiten aufklären, sich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen in der Gesellschaft einsetzen, sich der Regierungspolitik widersetzen und sich auch von der Regierung davon nicht abbringen lassen wird. Bildungsminister Giertych bezeichnete dies später als „Homosexuellen-Propaganda“. Marzanna Pogorzelska beteiligte sich aktiv an der vom Europäischen Rat initiierten Kampagne “All Different – All Equal”. Sie organisierte verschiedene Veranstaltungen und Aktionen zu diesem Thema.


3. Preisverleihung in Warschau 2008
Tanja Walther, Sportwissenschaftlerin und
Philipp Lahm, Fußballnationalspieler und
Dr. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes (D)

Bruno Solo, Journalist und Moderator (FR)

Marzanna Pogorzelska, Lehrerin (PL)




Marzanna Pogorzelska: „Ich möchte an dieser Stelle all den Menschen Danke, die mich mit dem so bedeutungsvollen „Toleratia Preis 2008“ ausgezeichnet haben. Ich möchte aufrichtig meinen Schülern danken – ohne die ich heute mit dem Preis hier nicht stehen würde. Denn es lag nicht zu letzt an ihnen, mit ihre Einzigartigkeit und wunderbare Verschiedenheit zu verdeutlichen. Dank ihnen verstand ich wie deutlich sie auch ihr Andersein oft auch schmerzhaft fühlen müssen. Und das alles passiert bereits in der Schule – an einem Ort, der gewöhnlich damit verbunden wir, Unterschiede abzulehnen und alle nach einer Norm formen zu wollen.

Ich bin aufrichtig davon überzeugt, dass Schule so nicht sein darf – es sollte der Ort von Gesprächen, Begegnungen und der Achtung von Unterschieden. Ich glaube nicht daran, dass die Schule ein Ort von Intoleranz sein darf wie ‘another brick in the wall’ – ein solchen Model verdient es, eingerissen zu werden, um zu sehen, was tatsächlich dahinter lieg: ein wunderbarer Regenbogen."

Im Beisein des bekannten polnischen TV-Moderator Toamaz Raczek wurde am 20. September der deutsch-französisch-ponische Tolerantia-Preis 2008 in Warschau übergeben.

V.l.n.r. Tomasz Raczek, Bastian Finke, Krzysiek Kliszczynski (Lambda-Warschau), Marzanna Pogorrzelska, Tanja Walther, Rober Biedron (KPH, Polen)…

Im Beisein des bekannten polnischen TV-Moderator Toamaz Raczek wurde am 20. September der deutsch-französisch-ponische Tolerantia-Preis 2008 in Warschau übergeben. V.l.n.r. Tomasz Raczek, Bastian Finke, Krzysiek Kliszczynski (Lambda-Warschau), Marzanna Pogorrzelska, Tanja Walther, Rober Biedron (KPH, Polen)

Tolerantia-Preis 2007 - Die Preisträger

Berlin, den 11.10.2007

Zum zweiten mal wird der deutsch-französisch-polnische Preis an Persönlichkeiten und Projekte aus Deutschland, Frankreich und Polen verliehen

Bereits zum zweiten Mal wird der von MANEO initiierte Tolerantia-Preis an Persönlichkeiten und Projekte aus Frankreich, Polen und Deutschland verliehen, die sich im Kampf gegen Homophobie und Hassgewalt verdient und für mehr Gleichberechtigung in den Ländern stark gemacht haben. Die diesjährige Verleihung des jährlich ausgelobten Preises findet am 3. November 2007 im Rahmen einer Feierstunde im Pariser Louvre statt.
In 2006 hatten die Projekte MANEO, der französische Verein SOS-Homophobie sowie die polnischen Organisationen Lambda, KPH und der Stiftung für Gleichberechtigung mit dem „Schwulen Weimarer Dreieck“ ein Netzwerk gegründet, dessen gemeinsame Ziele in dem trinationalen Tolerantia-Preis ein würdiges Symbol fanden.

TOLERANTIA 2007 – DIE PREISTRÄGER

DEUTSCHLAND: Gruppe „Menschenrechte und sexuelle Identität (MERSI)“ bei amnesty international
MERSI, am 18. November 1995 zunächst unter dem Namen „Sektionskoordinationsgruppe Homosexualität“ bei amnesty international ins Leben gerufen, setzt sich heute dafür ein, Menschenrechtsverletzungen an Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern weltweit aufzudecken und die Verbesserung der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Betroffenen voranzutreiben. MERSI zählt derzeit etwa sechzig Aktive, die in Bezirksgruppen in mehreren Städten Deutschlands tätig sind. Über das amnesty-interne Netzwerk „amnesty international members for gay and lesbian concerns“ steht MERSI zudem mit mehr als 25 anderen Ländern in Verbindung. Bewährtes Instrument von amnesty international sind so genannte „urgent actions“: Eilaktionen mit dem Ziel, eklatante Missstände in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit zu rücken und durch den erzeugten Druck Regierungsstellen oder Polizeien zum Handeln zu bewegen. Heute beteiligen sich nahezu 1.000 Unterstützerinnen und Unterstützer an den Schnellappellen; mehr als 40 % der Interventionen führen zu Erfolgen: aufgrund ihrer sexuellen Identität Inhaftierte wurden freigelassen, Täter angeklagt. Das von MERSI-Mitgliedern herausgegebene Buch „Das Recht, anders zu sein“ dokumentiert zahlreiche Fälle von Menschenrechtsverletzungen an LGBT weltweit. Ausführlich wird über rechtliche Bestimmungen und den Umgang mit Homosexualität in den verschiedenen Regionen der Welt informiert. www.mersi-amnesty.de

POLEN: Piotr Pacewicz
Bevor Piotr Pacewicz nach den Umbrüchen 1989 die erste unabhängige Tageszeitung, "Gazety Wyborczej", gründete, war er acht Jahre lang als Redakteur bei der größten Zeitung der damals illegalen Solidarnosc, "Tygodnika Mazowsze", tätig. Seit 1980 arbeitete er zudem am Institut für Psychologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) und war Dozent für Sozialpsychologie an der Technischen Universität in Westberlin. 1989 dann war er bei den Gesprächen am Runden Tisch aktiv und ist seit 1995 Stellvertretender Chefredakteur der liberalen "Gazety Wyborczej". 2005 nahm er an der verbotenen Gleichberechtigungsparade teil, die er zugleich in seiner redaktionellen Arbeit unterstütze. Wiederholt protestierte er gegen die lesben- und schwulenfeindliche Hetzpropaganda polnischer Politiker. Dank seiner zahlreichen Artikel und Kommentare hat sich das Bild der Homosexuellen in polnischen Medien deutlich verbessert. Piotr Pacewicz, Jahrgang 1953, ist Absolvent der Fakultät für Psychologie der Warschauer Universität.


FRANKREICH: Theaterprojekt „Place de Mythos / Delusion Square” von Ris-Orangis
Das Jugendprojekt Ris-Orangis befindet sich mitten in einem sozialen Brennpunkt: Gewalt, Diskriminierung und Homophobie sind in dem Pariser Vorort quasi an der Tagesordnung. Im November 2006 traten ein Jugendarbeiter und ein Theaterdirektor mit einer Idee an die Jugendlichen des Clubs heran: Sie sollten eine Stück schreiben und auf die Bühne bringen, das ihren Alltag und das ständige Klima der Gewalt widerspiegeln würde. Aus eigenem Antrieb entschieden die Jugendlichen, Homophobie – die in ihren Augen ärgste und meist verbreitete Form der Diskriminierung in ihrem Kiez, zum Thema zu machen. Heraus kam ein authentisches, zweistündiges Musical mit Rap-, HipHop- und R’n’B-Elementen – die 16- bis 21-jährigen heterosexuellen Akteure wählten bewusst eben jene Musikstile, die für homophobe und sexistische Texte in der Vergangenheit bereits mehrfach kritisiert wurden. Die Show war von großem Erfolg und wird auch noch in Zukunft zahlreiche Male in Theatern in und um Paris aufgeführt werden. Nicht nur französische LGBT-Organisationen waren begeistert; die Französische NCC verlieh dem Projekt das Label „All different All equal“.


2. Preisverleihung in Paris 2007

„Place de Mythos / Delusion Square“, Pariser Theater-Gruppe (FR)

Die Gruppe „Menschenrechte und sexuelle Identität (MERSI)“ bei amnesty international (D)

Piotr Pacewicz, Journalist und Bürgerrechtler (PL)

© MANEO. Verleihung des Tolerantia-Preises im Pariser Louvre am 3.
November 2007 mit Preisträgern und Veranstaltern.…

© MANEO. Verleihung des Tolerantia-Preises im Pariser Louvre am 3. November 2007 mit Preisträgern und Veranstaltern.

Tolerantia-Preis nachträglich an Senator Kazimiers Kutz in Warschau übergeben

Berlin, 11.06.2006

Zum ersten Mal wurde am 7. Mai in Berlin anlässlich der „MANEO-Werkstatt“ der „Tolerantia“-Preis an Persönlichkeiten aus Frankreich, Polen und Deutschland verliehen, die sich im Kampf gegen Homophobie und Hassgewalt in den Ländern stark gemacht haben.

Aus Polen erhielt erstmals Senator Kazimierz Kutz den Preis. Weil er krankheitsbedingt nicht an der Preisverleihung in Berlin teilnehmen konnte, fand nachträglich am 11.06.06 ,während der Eröffnungsveranstaltung der Warschauer Filmtage „Teddy on Tour in Warschau“ im Kino Luna, die Preisverleihung statt.

Gewürdigt wurden seine Verdienste um die Gleichberechtigung von Homosexuellen in Polen.

Bastian Finke würdigte in seiner Laudatio die besonderen Verdienste, die die deutsch-französisch-polnische Jury dazu veranlasst hatten, ihm den Preis zu verleihen. „Er gehört zu den wenigen Politikern seines Landes, die trotz der homophoben Hasskampagnen in seinem Land den Mut gehabt haben, ihre Solidarität mit Homosexuellen in Polen öffentlich zu bekunden. Damit hat der frühere Regisseur gezeigt, dass es ein anderes tolerantes Polen gibt“.

Senator Kutz zeigte sich tief gerührt. Er erklärte vor 250 Zuschauern, dass er stolz auf diesen Preis sei. Er erklärte, dass er sich auch weiterhin zu Wort melden werde und zu Unrecht in seinem Land nicht schweigen werde.


Tolerantia-Preis nachträglich an Senator Kazimiers Kutz in Warschau übergeben…

Tolerantia-Preis nachträglich an Senator Kazimiers Kutz in Warschau übergeben

Tolerantia-Preis 2006 erstmalig in Berlin verliehen

Berlin, den 08.05.2006

Erstmalig wurde am 7. Mai in Berlin anlässlich der „MANEO-Werkstatt“ der deutsch-französisch-polnische „Tolerantia- Preis“ an Persönlichkeiten aus Frankreich, Polen und Deutschland verliehen, die sich im Kampf gegen Hassgewalt und für mehr Gleichberechtigung in den Ländern stark gemacht haben.

Die Preisübergabe fand im Rahmen der Benefiz-Party für den Warschauer CSD im Quatsch Comedy Club im Beisein des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, statt. Der Preis wurde erstmals von den Anti-Gewalt-Projekten „SOS-Homophobie“ (Frankreich), „Stiftung für Gleichberechtigung“, KPH und Lambda-Warschau (Polen) und MANEO (Deutschland) ausgelobt. „SOS“-Homophobie (Frankreich), „Stiftung für Gleichberechtigung“, KPH und Lambda-Warschau (Polen) und Maneo (Deutschland) ausgelobt.

Das Berliner Anti-Gewalt-Projekt MANEO, der französische Verein SOS Homophobie sowie die polnischen Organisationen Stiftung für Gleichberechtigung, Lambda und KPH haben sich zusammengeschlossen, um sich in ihrem Kampf gegen Homosexuellenfeindlichkeit auszutauschen und diesem Anliegen eine europäische Dimension zu geben. Neben gemeinsamen Projekten soll der neue „Tolerantia“-Preis diese gemeinsamen Anstrengungen symbolisieren.

Die ersten deutschen Preisträger sind die grünen Politiker Volker Beck und Günther Dworek, die sich seit Jahren gemeinsam für die Belange der schwul-lesbischen Community stark machen. „Das Gesetz über gleichgeschlechtliche Partnerschaften und das Anti-Diskriminierungsgesetz wären ohne Volker Beck nicht realisiert worden", hieß es in der Laudatio. Günther Dworek wurde unter anderem für seinen Einsatz für die Errichtung eines Denkmals für die homosexuellen Opfer des Nazi-Regimes gewürdigt.

Der französische Preisträger ist der Gründer des Internationalen Tages gegen Homophobie am 17. Mai, Louis-Georges Tin. An diesem Tag nämlich im Jahre 1990 hatte die Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation beschlossen, Homosexualität aus der Liste psychischer Krankheiten zu streichen. „Dank Louis-Georges Tin ist der Kampf gegen Homophobie von einer versteckten zu einer öffentlichen Angelegenheit geworden, auch wenn es noch viel zu tun gibt“, hieß es in der Begründung der Jury.

Der polnische Träger des ersten „Tolerantia“-Preises ist der Senator Kazimierz Kutz. Er gehört zu den wenigen Politikern seines Landes, die trotz der homophoben Hasskampagnen in seinem Land den Mut gehabt haben, ihre Solidarität mit den Betroffenen öffentlich zu zeigen. Damit hat der frühere Regisseur gezeigt, dass es ein anderes tolerantes Polen gibt. 2005 nahm er an der illegalen Warschauer Gleichberechtigungsparade teil. Er hat sich mehrmals für die Gleichberechtigung der Schwulen und Lesben in den Medien ausgesprochen und unterstützte das Gesetz zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in seinem Land.


1. Preisverleihung in Berlin 2006

Volker Beck, grüner Bundestags- abgeordneter und
Günter Dworek, schwulen- und lesbenpolitischer Bürgerrechtler (D)

Dr. Louis-Georges Tin, Begründer des Internationalen Tag gegen Homophobie (FR)

Kazimierz Kutz, Senator im polnischen Senat (PL)

© Foto MANEO. Nach der Verleihung des Tolerantia-
Preises, am 07.05.06, im Quatsch-Comedy-Club: v.l.n.r.

Flannan Obé [Vorsitzender SOS-Homophobie], 
George Louis Tin [Begründer des Intern. Tag gegen Homophobie], 
Bastian Finke [Maneo-Projektleiter],
Günter Dworek [Referent von Volker Beck/ Die Grünen],
Tomasz Baczkowski [Stiftung für Gleichberechtigung].…

© Foto MANEO. Nach der Verleihung des Tolerantia- Preises, am 07.05.06, im Quatsch-Comedy-Club: v.l.n.r. Flannan Obé [Vorsitzender SOS-Homophobie], George Louis Tin [Begründer des Intern. Tag gegen Homophobie], Bastian Finke [Maneo-Projektleiter], Günter Dworek [Referent von Volker Beck/ Die Grünen], Tomasz Baczkowski [Stiftung für Gleichberechtigung].

DKLB Maneo